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Zahlen und FaktenImmer mehr nichteheliche Geburten

Liniendiagramm zum Anteil nichtehelich geborener Kinder in Deutschland, Westdeutschland und Ostdeutschland in den Jahren 1950 bis 2014Bild vergrößern

In Deutschland steigt, wie in vielen anderen Ländern, der Anteil der Kinder, die von unverheirateten Müttern zur Welt gebracht werden. Darin kommen ein Bedeutungsrückgang der Ehe und ein Bedeutungszuwachs nichtehelicher Lebensformen für die Geburt von Kindern zum Ausdruck. Mehr als jedes dritte Kind wurde 2014 außerhalb einer Ehe geboren. Der Anteil von 35 Prozent entspricht im internationalen Vergleich einem mittleren Niveau.

Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Im Osten sind 58 Prozent der Lebendgeborenen von Müttern zur Welt gebracht worden, die nicht verheiratet waren. Das ist ein europäischer Spitzenwert. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Erstheiratsalter höher ist als das Erstgebäralter und sich somit die Zahl durch Eheschließungen nach der Geburt des Kindes noch relativiert. Im Westen erreicht die Nichtehelichenquote dagegen nur 29 Prozent. In den 1950er und 1960er Jahren war der Anteil nichtehelicher Geburten in beiden Landesteilen noch weitaus niedriger. Nach 1965 ist die Schere zwischen West- und Ostdeutschland immer weiter auseinander gegangen. Erst seit wenigen Jahren wird der Unterschied wieder etwas geringer.

Als Ursachen für die verschiedenen Entwicklungen wird ein ganzes Ursachenbündel angenommen. Nichteheliche Geburten sind zumindest in Ostdeutschland zum Normalfall geworden und damit sozial weitgehend akzeptiert. Das hat zum Teil historische Wurzeln, denn bereits zwischen 1880 und 1940 waren die Nichtehelichenquoten im Osten höher als im Westen. Angenommen wird, dass sich die evangelisch geprägte Bevölkerung im Osten weniger traditionell verhält. Verstärkt worden ist diese Tradition durch die Sozial- und Familienpolitik der DDR, in der Alleinerziehende eine besondere Unterstützung erfuhren. Die Hauptursache des weiteren Anstiegs nach 1990 ist aber in den besseren Möglichkeiten der Kinderbetreuung in Kombination mit einer ausgeprägten Erwerbsorientierung zu sehen. Die häufigere Frauenerwerbstätigkeit führte zu größerer ökonomischer Selbständigkeit, wodurch versorgungsorientierte Eheschließungen eine geringere Rolle spielen. In Westdeutschland ist der Zusammenhang von Ehe und Kinder nicht zuletzt aufgrund des Fortbestehens traditioneller Familienleitbilder stärker erhalten geblieben.

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