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Zahlen und FaktenBerufliche Ausbildung verliert an Bedeutung

In Deutschland begannen 2017 fast genauso viele Menschen ein Hochschulstudium wie eine Berufsausbildung. Männer und Frauen wählen dabei unterschiedliche Berufe beziehungsweise Studienfächer.

Liniendiagramm zur Entwicklung der Zahl der Ausbildungs- und Studienanfänger in Deutschland zwischen 1993 und 2017Bild vergrößern

Die berufliche Ausbildung in Deutschland wird international oft als Vorbild gesehen. Sie ist gekennzeichnet durch eine duale Ausbildung, das heißt der Kombination von praktischer Ausbildung im Betrieb und Unterricht in der Berufsschule. Die dadurch gewonnenen jungen Fachkräfte sind ein wichtiger Erfolgsfaktor der deutschen Volkswirtschaft. Dennoch verliert die Berufsausbildung gegenüber dem Studium zunehmend an Bedeutung. Während die Zahl der Studenten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich wuchs, ist die Zahl der Auszubildenden (Azubis) gesunken. Im Jahr 2017 wurden rund 515.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Die Zahl der Studienanfänger war nur knapp 3.000 geringer. Dieser Entwicklung zugrunde liegt ein höherer Anteil an Jugendlichen, die in der Schule die Hochschulreife erwerben.

Ausbildung: Kauffrau und Mechaniker beliebteste Berufe

Balkendiagramme zu den 10 häufigsten Ausbildungsberufen von Männern und Frauen im Jahr 2016Bild vergrößern Auszubildende nach häufigsten Ausbildungsberufen

Mehr als die Hälfte der Auszubildenden sind in Industrie und Handel tätig, gefolgt vom Handwerk und den freien Berufen. Viele Berufsbereiche sind dabei stark von einem Geschlecht geprägt. So waren 2016 zum Beispiel im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung 90 Prozent der Azubis weiblich. Demgegenüber ist der Bereich Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik mit einem Frauenanteil von nur 5 Prozent überwiegend männlich geprägt. Auch insgesamt betrachtet sind gegenwärtig lediglich 38 Prozent der Azubis Frauen.

Die Vorliebe von Männern für technische Berufe zeigt sich im Detail auch bei den am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen. Die meisten Männer ließen sich 2016 zum Kraftfahrzeugmechatroniker, Industriemechaniker oder Elektroniker ausbilden. Bei Frauen waren dagegen vor allem die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement, medizinischen Fachangestellten oder Kauffrau im Einzelhandel beliebt. Mit der Berufswahl der heutigen Jugendlichen setzt sich die traditionelle Rollenverteilung im Erwerbsleben fort.

Studium: Ingenieurwissenschaften weiterhin in Männerhand

Kreisdiagramm zum Anteil der Fächergruppen an allen Studenten in Deutschland im Wintersemester 2017/2018Bild vergrößern Studenten nach Fächergruppen

Die Zahl der Studenten in Deutschland ist zwischen 1991 und 2016 um 60 Prozent, von 1,78 auf 2,84 Millionen, gestiegen. Für eine Volkswirtschaft ist aber nicht nur wichtig, wie viele Personen sich höher qualifizieren, sondern auch, in welchen Berufszweigen sich der Nachwuchs findet. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund des Wandels der Arbeitswelt und des häufig befürchteten Fachkräftemangels, der auch mit der in Zukunft schrumpfenden Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter begründet wird.

Zwei Fächergruppen dominieren die Studienwahl in Deutschland: Mehr als ein Drittel aller Studenten sind gegenwärtig in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingeschrieben. Ein weiteres Viertel studiert Ingenieurwissenschaften. Andere Fächergruppen wie die Geisteswissenschaften oder Mathematik und Naturwissenschaften sind deutlich weniger beliebt.

Balkendiagramm zum Anteil der Frauen an allen Studenten nach Fächergruppen im Wintersemester 2016/2017Bild vergrößern Frauenanteil der Studenten nach Fächergruppen

Allerdings zeigen sich bei der Studienwahl wie schon bei der Berufsausbildung teils große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. In den Geisteswissenschaften, der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften sowie in Kunst und Kunstwissenschaft sind etwa zwei Drittel der Studenten weiblich. Auch in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie den Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften gibt es deutlich mehr Studentinnen als männliche Studenten. Demgegenüber sind die Ingenieurwissenschaften mit einem Frauenanteil von unter einem Viertel weiterhin klar in Männerhand.

Fachkräfteengpass in einzelnen Berufsfeldern

Die Globalisierung, der technologische Fortschritt und die Digitalisierung verändern die Anforderungen der Arbeitswelt und fordern noch stärker qualifizierte und spezialisierte Fachkräfte. In einzelnen technischen Berufsfeldern sind bereits große Fachkräfteengpässe zu beobachten. Auch in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen gibt es Engpässe, die sich mit der Alterung der Bevölkerung verstärken könnten. Die Herausforderung ist, alle vorhandenen Arbeitsangebots- und Qualifikationspotenziale zu aktivieren und durch Schulbildung und passender beruflicher Ausbildung gleichzeitig das zukünftige Angebot an Fachkräften zu sichern.

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