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Zahlen und FaktenTrendwende bei der Geburtenrate?

Deutschland gehört seit den 1970er Jahren zu den Ländern mit einem sehr niedrigen Geburtenniveau. Seit kurzem nimmt die zusammengefasste Geburtenziffer wieder leicht zu.

Liniendiagramm zur zusammengefassten Geburtenziffer in Deutschland, Westdeutschland und Ostdeutschland zwischen 1950 und 2015Bild vergrößern

Die zusammengefasste Geburtenziffer stagnierte in Deutschland seit Anfang der 1980er Jahre lange Zeit auf einem Niveau von ungefähr 1,4 Kindern je Frau. In den letzten Jahren ist jedoch ein leicht ansteigender Trend zu beobachten. Mit einem Wert von 1,50 im Jahr 2015 ist sie aber noch weit vom Bestanderhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau entfernt. Das anhaltend niedrige Geburtenniveau ist ein zentraler Faktor, der zur schnellen Alterung und langfristigen Schrumpfung der Bevölkerung in Deutschland beiträgt. Die Trends der Geburtenentwicklung sind seit 1950 in West- und Ostdeutschland zeitweise unterschiedlich verlaufen und auf besondere Ursachen zurückzuführen.

In Westdeutschland schloss sich an das Geburtenhoch der Nachkriegszeit Mitte der 1960er Jahre ein deutlicher Geburtenrückgang an. In diesem Zeitraum sank die zusammengefasste Geburtenziffer von rund 2,1 auf 1,5 Kinder je Frau und verharrt seither auf niedrigem Niveau. Dieser Rückgang wird neben der allgemeinen Verbreitung von Verhütungsmitteln auf einen umfassenden gesellschaftlichen Wertewandel zurückgeführt, in dem Familie und Kinder zu einer wählbaren Option unter vielen geworden sind. Damit einher ging eine verringerte Heiratsneigung, ein Wandel der Familien- und Lebensformen sowie ein Anstieg des Heirats- und Gebäralters. Der Geburtenrückgang hat sich als Folge der gesunkenen Anteile von Frauen mit drei oder mehr Kindern und dem Anstieg der Kinderlosigkeit eingestellt. Westdeutschland gilt heute weltweit als die Region mit dem höchsten Anteil kinderloser Frauen. Träger der Kinderlosigkeit sind vor allem hochqualifizierte Frauen, die sich oft gegen Kinder und für Beruf und Karriere entschieden haben. Ein wesentlicher Grund waren unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

In Ostdeutschland gab es zwischen 1965 und 1975 einen parallel zum Westen verlaufenden Geburtenrückgang, der durch die Verbreitung von Verhütungsmitteln und vor allem durch die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs seit 1972 ausgelöst wurde. Danach haben familienpolitische Maßnahmen der DDR wie Geburtenbeihilfen und Ehekredite zu einem Wiederanstieg geführt. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre hat sich nach dem Beitritt zur Bundesrepublik ein erneutes Geburtentief eingestellt. Seither steigt im Osten Deutschlands die zusammengefasste Geburtenziffer an. Im Jahr 2015 war sie mit 1,52 geringfügig höher als im Westen mit 1,50.

Zusammengefasste Geburtenziffer

Die zusammengefasste Geburtenziffer ist eine hypothetische Kennziffer und gibt an, wie viele Kinder je Frau geboren würden, wenn für deren ganzes Leben die altersspezifischen Geburtenziffern des jeweils betrachteten Kalenderjahres gelten würden. Sie ist die am häufigsten verwendete Kennziffer zur Charakterisierung des aktuellen Geburtenniveaus, weil die tatsächlichen durchschnittlichen Geburtenzahlen je Frau – die endgültige Kinderzahl – erst dann festgestellt werden können, wenn die Frauen eines Geburtsjahrgangs das gesamte gebärfähige Alter durchlaufen haben.

Die zusammengefasste Geburtenziffer hat den Nachteil, dass sie durch das Vorziehen von Geburten in ein niedrigeres Lebensalter beziehungsweise das Verschieben von Geburten in ein höheres Lebensalter beeinflusst wird. Da die Fertilitätsverhältnisse des jeweils betrachteten Kalenderjahres unterstellt werden, wird in den letzten Jahren die tatsächliche Fertilität der Frauen aufgrund der zunehmenden Zahl von Geburten im höheren Alter unterschätzt. Dies wird auch als Tempoeffekt bezeichnet.

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