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Zahlen und FaktenKinderbetreuung in Ost- und Westdeutschland stark unterschiedlich

In Ostdeutschland wurde 2016 jedes zweite Kind unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen betreut. Im Westen waren es nur 28 Prozent der Kinder.

Karte zum Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Kindertagesbetreuung an allen Kindern der Altersgruppe nach Kreisen in Deutschland am 1. März 2016Bild vergrößern

Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kleinkinder ist in den letzten Jahren ein elementarer Bestandteil der deutschen Familienpolitik geworden. So gibt es seit 2013 einen Rechtanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder im Alter von ein und mehr Jahren. Damit wird insbesondere eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf angestrebt. Zum Stichtag 1. März 2016 wurden rund 720.000 Kinder unter drei Jahren in einer Tageseinrichtung oder in öffentlich geförderter Tagespflege betreut. Das ist fast jedes dritte Kind dieser Altersgruppe.

Große regionale Unterschiede in der Kinderbetreuung gibt es insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland. So besuchten 2016 im Osten 52 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsangebot. Im Westen waren es hingegen nur 28 Prozent der gleichaltrigen Kinder – damit aber fast doppelt so viele wie noch 2009. Ausgeprägt ist der Ost-West-Unterschied zudem in Bezug auf die Ganztagsbetreuung. Während in Westdeutschland lediglich 13 Prozent der unter 3-jährigen Kinder mindestens sieben Stunden täglich betreut wurden, waren es in Ostdeutschland 40 Prozent.

Im Vergleich aller deutschen Kreise hatte 2016 mit 62 Prozent der brandenburgische Landkreis Spree-Neiße die höchste Betreuungsquote. Den höchsten westdeutschen Wert erreichte mit 48 Prozent der Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Er lag damit nur knapp über der niedrigsten Betreuungsquote in Ostdeutschland. Die bundesweit niedrigste Betreuungsquote wies mit 14 Prozent der Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern auf. Allgemein sind in Bayern besonders viele Landkreise mit sehr niedrigen Betreuungsquoten zu beobachten – in der nördlichen Hälfte aber auch besonders viele Landkreise mit für westdeutsche Verhältnisse hohen Anteilen an betreuten Kleinkindern. Ballungsräume haben im Westen oft höhere Betreuungsquoten als ländliche Räume.

Für viele ostdeutsche Frauen ist es normal, Mutter zu sein und gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es gibt hier ein großes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen sowie eine hohe Bereitschaft, die Kinder dort unterzubringen. Demgegenüber ist in Westdeutschland nach wie vor das Leitbild der „Rabenmutter“ verbreitet, nach dem ein Kleinkind darunter leidet, wenn seine Mutter arbeitet. Die geringe Akzeptanz außerhäuslicher Kinderbetreuung als kultureller Faktor und das stärker begrenzte Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen als struktureller Faktor begünstigen in Westdeutschland die Entscheidung gegen Kinder beziehungsweise für eine häufig allenfalls in Teilzeit aufgenommene Erwerbstätigkeit von Müttern.

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