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Zahlen und FaktenGroße regionale Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ist sehr heterogen: Während die Ballungsräume in den letzten fünf Jahren deutlich gewachsen sind, setzte sich der langjährige Bevölkerungsrückgang in ländlich-peripheren Kommunen fort. Auf längere Sicht und Kreisebene geht der Trend vom mehrheitlichen Wachstum seit 1990 hin zu überwiegenden Bevölkerungsverlusten bis 2035.

Karte zum Bevölkerungswachstum nach Gemeinden in Deutschland zwischen 2011 und 2016

In Deutschland gibt es über 11 000 Gemeinden, die hinsichtlich ihrer Bevölkerungsentwicklung und Rahmenbedingungen sehr heterogen sind. Im Jahr 2016 gab es genauso viele Kommunen, die mehr Einwohner als 2011 hatten, wie Kommunen mit Bevölkerungsverlusten. Dabei können auf kleinräumiger Ebene mitunter Sondereffekte eine Rolle spielen, zum Beispiel neue Wohngebiete oder Flüchtlingsunterkünfte in einem Ort. Insgesamt betrachtet sticht aber eine Entwicklung hervor: Während die meisten Großstädte und ihr Umland Einwohner gewonnen haben, weisen viele ländlich-periphere Gemeinden einen Rückgang der Bevölkerungszahlen auf.

Der Bevölkerungszuwachs in Ballungsräumen ist das Ergebnis von Wanderungsgewinnen, die sich durch den Zuzug von Menschen aus anderen Regionen Deutschlands, darunter den ländlichen Räumen, und dem Ausland ergeben. Städte sind für Zuziehende besonders attraktiv, weil sie in der Regel durch ein vielfältiges Angebot an Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen sowie Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten eine hohe Lebensqualität bieten. Bei guter verkehrstechnischer Anbindung kann ebenso das Umland vom Bevölkerungswachstum profitieren, wozu auch der oft knappe und teure Wohnraum in den Kernstädten beiträgt. Vor allem im Süden und Nordwesten Deutschlands zeigt sich, dass es aber auch ländliche Regionen gibt, deren Bevölkerung gegenüber 2011 deutlich gewachsen ist. Dazu hat im Nordwesten auch eine im bundesweiten Vergleich traditionell sehr hohe Geburtenrate beigetragen.

Demgegenüber erleben strukturschwache, meist ländliche Regionen oft schon seit vielen Jahren rückläufige Einwohnerzahlen. Das gilt vor allem für weite Gebiete Ostdeutschlands, in denen neben der Abwanderung auch ein außerordentlich großes Geburtendefizit, also weniger Geburten als Sterbefälle, zur Schrumpfung beiträgt. Dieses entsteht auf der einen Seite durch überdurchschnittlich viele Sterbefälle aufgrund der vergleichsweise alten Bevölkerung in diesen Regionen. Auf der anderen Seite gibt es relativ wenige Geburten, weil viele junge Frauen abgewandert sind und somit potenzielle Mütter fehlen. Zudem führt die niedrige Geburtenrate Ostdeutschlands in der Nachwendezeit dazu, dass heute weniger junge Frauen (und Männer) als potenzielle Eltern zur Verfügung stehen.

Ein anhaltender Bevölkerungsrückgang stellt Kommunen vor große Herausforderungen. So beeinflusst eine rückläufige Einwohnerzahl unter anderem die Auslastung von Bildungseinrichtungen, des öffentlichen Nahverkehrs oder von Einkaufsmöglichkeiten. Die damit einhergehenden Finanzierungsprobleme werden zusätzlich dadurch erschwert, dass die einwohnerbezogenen Finanzzuweisungen und Einnahmen der Kommunen und Landkreise sinken. Um als Wohnstandort und für die Wirtschaft attraktiv zu bleiben beziehungsweise attraktiver zu werden, sind hier innovative Lösungen gefragt.

Starker Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland seit 1990

In der langfristigen Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung zwischen 1990 und 2017 werden die regionalen Unterschiede noch deutlicher. Landkreisen und kreisfreien Städten mit zweistelligen Bevölkerungsgewinnen stehen Kreise mit zweistelligen Bevölkerungsverlusten gegenüber.

Karte zum Bevölkerungswachstum nach Kreisen in Deutschland zwischen 1990 und 2017Bild vergrößern Bevölkerungswachstum seit 1990

Zwei Drittel der deutschen Kreise haben heute mehr Einwohner als zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung. Aus der Karte ist ersichtlich, dass es im Grunde die gleichen Regionen sind, die auch in den letzten fünf Jahren gewachsen sind. Das stärkste Wachstum weist mit 44 Prozent der bayerische Landkreis Erding auf. Zudem ist die Bevölkerung in fünf weiteren Landkreisen um mindestens ein Drittel gewachsen: in den ebenfalls im Münchner Umland gelegenen Kreisen Ebersberg, Freising und Dachau sowie in Cloppenburg und Vechta im westlichen Niedersachsen.

Einen besonders starken Bevölkerungsrückgang verzeichnen hingegen die meisten ostdeutschen Regionen. Den mit Abstand größten Schwund hat die thüringische Stadt Suhl, die seit 1990 rund 39 Prozent ihrer Einwohner verloren hat. Aber auch vier weitere Kreise sind um über 30 Prozent geschrumpft: die Stadt Frankfurt (Oder) und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg sowie die Landkreise Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt und Görlitz in Sachsen.

Drei Entwicklungen sind hierfür verantwortlich: Erstens die langjährige Ost-West-Wanderung, von der viele westdeutsche Regionen profitierten. Sie hat an Bedeutung verloren, da der Wanderungssaldo in den letzten Jahren ausgeglichen war. Zweitens die anhaltende Land-Stadt-Wanderung, die zunehmend innerhalb von Ostdeutschland stattfindet. Vor allem in den 1990er Jahren waren aber auch Suburbanisierungsprozesse zu beobachten, die zum Beispiel die deutlichen Bevölkerungsgewinne im Umland von Berlin erklären. Drittens der starke Geburteneinbruch nach 1990, der mit einer Halbierung der Zahl neugeborener Kinder einherging.

In Westdeutschland sind es ebenfalls vor allem strukturschwache Abwanderungsgebiete, die seit 1990 Einwohner verloren haben. Dabei handelt es sich einerseits um abseits von wirtschaftsstarken Zentren gelegene ländliche Regionen, zum Beispiel im Norden von Hessen und Süden von Niedersachsen. Andererseits schrumpfte die Bevölkerung auch in vom wirtschaftlichen Strukturwandel betroffenen Regionen wie dem Ruhrgebiet oder Saarland.

Mehr Schrumpfung bis 2035

In der aktuellen Raumordnungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung wurde ermittelt, dass zwei Drittel der deutschen Landkreise und kreisfreien Städte 2035 weniger Einwohner haben könnte als 2012. Bundesweit wird ein Bevölkerungsrückgang um rund 3 Prozent erwartet. Allerdings ist dabei die starke Zuwanderung der letzten Jahre noch nicht berücksichtigt.

Karte zum Bevölkerungswachstum nach Kreisen in Deutschland zwischen 2012 und 2035Bild vergrößern Bevölkerungswachstum bis 2035

Die regionalen demografischen Trends der Vergangenheit – Schrumpfung der ländlich-peripheren und strukturschwachen Räume, Wachstum der wirtschaftsstarken Ballungsräume – setzen sich dabei zukünftig fort. Das ist aber auch kein Wunder, weil die Annahmen der Vorausberechnungen wesentlich auf der vorherigen Entwicklung beruhen. Das stärkste Wachstum wird mit bis zu einem Fünftel für das Umland von München erwartet. Im Gegensatz dazu könnten einige ostdeutsche Kreise allein bis 2035 noch einmal mehr als ein Viertel ihrer Bevölkerung verlieren. Die regionalen Unterschiede und die Herausforderungen für die Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse nehmen somit zukünftig weiter zu.

Bevölkerungsvorausberechnungen

Langfristige Bevölkerungsvorausberechnungen sind keine Prognosen. Sie liefern „Wenn-Dann-Aussagen“ und zeigen, wie sich die Bevölkerung und deren Struktur unter bestimmten Annahmen zur künftigen Entwicklung der Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen verändern würden. Die Annahmen orientieren sich in der Regel an den Trends der Vergangenheit. Aus der Kombination von unterschiedlichen Annahmen sind mehrere Varianten möglich.

Raumordnungsprognose

Die alle paar Jahre veröffentlichte Raumordnungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ist eine kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung. Dabei gilt: Je kleinräumiger die Betrachtungsebene ist, desto größer sind die Unsicherheiten. Die Ergebnisse sollten eher als regionale Trends interpretiert und Zahlen für eine Stadt oder einen Landkreis nicht einfach übernommen, sondern in den regionalen Kontext gesetzt werden.

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