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Zahlen und FaktenBeamtenversorgung: Steigende Zahl an Pensionären führt zu höheren Ausgaben

Die Versorgungsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen für pensionierte Beamte, Richter und Berufssoldaten sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Vor allem in den Bundesländern wächst die Zahl der Versorgungsempfänger stark. Etwas abgemildert wird die Entwicklung durch das zunehmend höhere Ruhestandsalter.

Anfang 2017 gab es in Deutschland insgesamt 1,64 Millionen Versorgungsempfänger, das heißt pensionierte Beamte, Richter und Berufssoldaten und ihre Hinterbliebenen, die ein Ruhegehalt, Witwengeld oder Waisengeld bezogen. Dies bedeutet eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 1975, als es lediglich 1,03 Millionen Personen waren.

Mehr als die Hälfte der Versorgungsempfänger entfällt auf die Bundesländer. Ihre Zahl hat sich seit 1975 mehr als verdoppelt und beträgt heute 879.000 Personen. Vor allem seit der Jahrtausendwende ist ein starker Anstieg zu beobachten. Beim Bund mit zuletzt 184.000 Versorgungsempfängern und im kommunalen Bereich mit 123.000 Empfängern fiel die Entwicklung der letzten Jahre im Vergleich zu den Ländern deutlich moderater aus.

Einen Sonderfall stellen die 1994 privatisierte Bundesbahn und 1995 privatisierte Bundespost dar. Weil die meisten Bahnbeamten bereits im Ruhestand sind und wenig neue Pensionäre hinzukommen, ist die Zahl der Versorgungsempfänger rückläufig und lag 2017 bei 154.000 Personen. Aus vergleichbaren Gründen stieg die Zahl der Versorgungsempfänger bei der Post (heute Post, Postbank, Telekom) nach der Privatisierung zunächst an und stagniert seit 2001 bei etwa 275.000 Personen.

Weitere Zunahme der Versorgungsempfänger erwartet

Laut dem sechsten Versorgungsbericht der Bundesregierung wird sich die Zahl der Versorgungsempfänger im Bundesbereich bis 2035 voraussichtlich auf 207.000 Personen erhöhen und danach langsam sinken. Bei der Bahn und Post ist ein kontinuierlicher Rückgang zu erwarten.

Für die Länder und Kommunen gibt es keine aktuelle bundesweite Prognose, da mit der Föderalismusreform 2006 die Zuständigkeiten für die Beamtenbesoldung und -versorgung der Landes- und Kommunalbeamten zurück auf die Länder übertragen wurde. Im dritten Versorgungsbericht von 2005 wurde ermittelt, dass im kommunalen Bereich mit 178.000 Versorgungsempfängern der Höhepunkt im Jahr 2040 erreicht werden könnte. Für den Landesbereich wurde ein deutlicher Anstieg auf 1,22 Millionen Versorgungsempfänger bis 2050 erwartet. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist der ab den 1960er Jahren erfolgte Personalzuwachs bei Schulen, Hochschulen und Polizei, der nun zu vielen Pensionierungen von Landesbeamten führt.

Versorgungsausgaben seit 1991 mehr als verdoppelt

Mit der zunehmenden Zahl an Versorgungsempfängern sind auch die Versorgungsausgaben in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Während Bund, Länder und Kommunen im Jahr 1975 zusammen 11 Milliarden Euro für das Ruhegehalt und die Hinterbliebenenversorgung ausgaben, waren es 2016 bereits rund 50 Milliarden Euro. Der Anteil der Versorgungsleistungen am Bruttoinlandsprodukt hat sich dabei jedoch kaum verändert und liegt mit 1,6 Prozent sogar unter dem Wert von 1975. Angesichts des hohen Anteils älterer Beschäftigter im öffentlichen Dienst, deren Ruhestand demnächst bevorsteht, und der zunehmenden Lebenserwartung werden die Kosten weiter steigen.

Säulendiagramm zu den Versorgungsausgaben nach Beschäftigungsbereich in den Jahren 1975 bis 2016Bild vergrößern

In den einzelnen Beschäftigungsbereichen haben sich die Versorgungsausgaben unterschiedlich entwickelt. Der stärkste Anstieg ist bei den Ländern zu beobachten, deren Ausgaben sich seit 1991 verdreifacht haben und zuletzt 29,3 Milliarden Euro umfassten. Fast alle Ausgaben entfallen auf Westdeutschland, da es in der DDR keinen Beamtenstatus gab und es deshalb bislang wenig Versorgungsempfänger gibt. Mehr als die Hälfte der Versorgungsleistungen im Landesbereich gehen an pensionierte Lehrer.

Der Bund gab 2016 insgesamt 6 Milliarden Euro für die Versorgung von Pensionären und Hinterbliebenen aus. Im Jahr 1991 waren es noch 3,8 Milliarden Euro gewesen. Die Ausgaben entfielen etwa hälftig auf einerseits Beamte und Richter sowie andererseits Berufssoldaten. Hinzu kamen jedoch Versorgungsausgaben für die Beamten der privatisierten Bundespost und Bundesbahn. Diese beliefen sich 2016 auf 6,3 Milliarden Euro bei der Post und 3,5 Milliarden Euro beim sogenannten Bundeseisenbahnvermögen.

Die Versorgungsausgaben im kommunalen Bereich betrugen 3,6 Milliarden Euro. Die Kommunen haben damit die geringste Last zu tragen. Allerdings sind die Ausgaben fast doppelt so hoch wie noch 1991.

Pensionsalter nimmt zu

Abschwächend auf das Wachstum der Versorgungsausgaben wirkt der zunehmend spätere Ruhestand, weil so die steigende Lebenserwartung der Pensionäre teilweise kompensiert wird. Die gesetzliche Altersgrenze lag dabei für Beamte und Richter bis 2011 grundsätzlich bei 65 Jahren, für Berufssoldaten teils deutlich niedriger. Inzwischen steigt sie, vergleichbar zur gesetzlichen Rente, für Beamte und Richter schrittweise auf 67 Jahre an. Im Durchschnitt erfolgte der Eintritt in den Ruhestand 2016 mit 61,7 Jahren, was zum Teil auf vorzeitige Ruhestände aufgrund von Dienstunfähigkeit zurückzuführen ist. Das Pensionsalter ist damit vergleichbar mit dem Zugangsalter der gesetzlichen Rentenversicherung. Allerdings gibt es beim Eintritt in den Ruhestand teils deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

Liniendiagramm zum durchschnittlichen Pensionsalter nach Beschäftigungsbereich (Bund, Länder, Kommunen, Berufssoldaten, Bahn, Post) in den Jahren 1993 bis 2016Bild vergrößern Pensionsalter nach Beschäftigungsbereich

Ein hohes Ruhestandsalter wiesen 2016 mit durchschnittlich 62,7 Jahren die Beamten und Richter der Länder auf. Dabei zeigte sich jedoch ein starker Kontrast zwischen dem Schuldienst (63,4 Jahre) und dem Vollzugsdienst (59,5 Jahre), der aus der niedrigeren Altersgrenze für Polizisten und andere Vollzugsbeamte resultierte. Beamte und Richter des Bundes erhielten im Durchschnitt mit 62,1 Jahren erstmals ein Ruhegehalt, Beamte aus dem kommunalen Bereich mit 61,8 Jahren. In allen drei Bereichen lag das Pensionsalter in den 1990er Jahren noch unter 60 Jahren. Ein wesentlicher Grund für den Trend hin zum späteren Ruhestand ist die Einführung von finanziellen Abschlägen bei vorgezogenen Pensionierungen. Hinzu kommt in den letzten Jahren die schrittweise Erhöhung der Regelaltersgrenzen.

Berufssoldaten gingen 2016 mit durchschnittlich 54,5 Jahren besonders früh in den Ruhestand. Allerdings liegt die Altersgrenze für Offiziere, die in Kampfflugzeugen mit Strahlantrieb als Pilot oder Waffensystemoffizier verwendet werden, aufgrund der außergewöhnlichen Anforderungen regulär bei 40 beziehungsweise 41 Jahren. Für andere Berufssoldaten liegt sie dienstgrad- und laufbahnabhängig zwischen 55 und 65 Jahren und ist damit meist niedriger als für Beamte und Richter.

In Folge der Privatisierung von Bundespost und Bundesbahn gab es lange Zeit auch in diesen Bereichen viele vorzeitige Ruhestände. Der Tiefpunkt wurde 2004 mit einem durchschnittlichen Pensionsalter der Postbeamten von 46,9 Jahren erreicht. Seitdem ist es deutlich gestiegen, betrug aber 2016 immer noch nur 58,2 Jahre. Demgegenüber ist das Pensionsalter der Bahnbeamten zuletzt auf 63 Jahre gestiegen.

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