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Berichte und KonzepteHerausforderungen des demografischen Wandels

Der demografische Wandel bedeutet eine große Herausforderung: für jeden Einzelnen, für die Familie, für die Gesellschaft, für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, für die sozialen Sicherungssysteme sowie für die Politik insgesamt. Vor diesem Hintergrund setzte der Deutsche Bundestag im Jahr 1992 eine Enquête-Kommission ein, die sich über drei Legislaturperioden hinweg mit dem demografischen Wandel und dessen Folgen befasste. Ihr Schlussbericht beleuchtet die in den einzelnen gesellschaftlichen Teilbereichen eintretenden Veränderungen sowie zukünftige Handlungserfordernisse für Politik, Wirtschaft und Privatpersonen.

Auf dem Arbeitsmarkt ist eine allmähliche Alterung der Belegschaft zu beobachten und ab dem Jahr 2020 wird das Angebot an Arbeits- und Fachkräften zurückgehen. Um einem zukünftigen Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wird daher eine stärkere Ausschöpfung der bestehenden Beschäftigungspotenziale angestrebt – insbesondere durch eine zunehmende berufliche Einbindung von Frauen, älteren Personen und Migranten. So werden von der Kommission Maßnahmen empfohlen, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Kinderbetreuung, Pflege) zielen. Darüber hinaus sollen die Rahmenbedingungen für Aus- und Weiterbildung sowie lebenslanges Lernen verbessert werden. Auch Zuwanderung aus dem Ausland kann die Folgen der demografischen Entwicklung teilweise kompensieren und soll gefördert werden. Erforderlich ist jedoch eine ausreichende Integration der Migranten.

Die Alterung der Bevölkerung stellt insbesondere für die Bereiche Alterssicherung sowie Gesundheit und Pflege eine große Herausforderung dar. In Deutschland besteht ein impliziter Generationenvertrag in Form der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung. Demnach finanzieren die aktuell erwerbstätigen Personen die Altersversorgung der gegenwärtig im Ruhestand befindlichen Generation. Im Gegenzug erwerben sie den Anspruch, später ihre Rente finanziert zu bekommen. Durch den demografischen Wandel verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern so, dass der Lebensstandard nachfolgender Generationen im Alter zunehmend gefährdet ist. Um dieser Entwicklung teilweise entgegenzuwirken, empfiehlt die Kommission Maßnahmen zur Erhöhung des Rentenzugangsalters und eine Ausweitung des Versichertenkreises. Zudem sollen ergänzende betriebliche und private Formen der Alterssicherung gestärkt werden.

Der Gesundheitssektor wird besonders stark von den Folgen des demografischen Wandels betroffen sein. Die zunehmende Anzahl älterer Menschen führt zu einem größeren Bedarf an medizinischen und pflegerischen Leistungen. Der Wandel der familiären Strukturen bedeutet zudem zur Ausdünnung von sozialen Netzwerken, so dass kranke und pflegebedürftige Personen zunehmend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen werden. In Zukunft müssen daher Maßnahmen ergriffen werden, um den wachsenden Bedarf im Gesundheitssektor zu decken und die medizinische und pflegerische Versorgung auf hohem Niveau sicherzustellen.

Die Kommission betont in ihrem Bericht mehrfach, dass das Phänomen einer alternden Gesellschaft nicht nur als Belastung und Kostenfaktor betrachtet werden sollte. Die Verlängerung der Lebenszeit eröffne überdies vielfältige Ressourcen für die Gesamtgesellschaft, die momentan jedoch noch nicht in ausreichendem Maße genutzt und gewürdigt würden.

Bericht
Deutscher Bundestag (2002). Schlussbericht der Enquête-Kommission „Demographischer Wandel – Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und die Politik“. Drucksache 14/8800

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