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Gute Praxis in DeutschlandTelematikunterstützung für die Impulsregion Vogtland 2020

Vogtland in Sachsen

Ausgangslage

Im Vogtlandkreis lebt die älteste Bevölkerung Sachsens. 2011 waren fast 27 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt, landesweit sind es 25 Prozent (bundesweit 21 Prozent). Wie in vielen ländlichen Regionen herrscht auch hier ein Mangel an Hausärzten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (waren 2017 landesweit 240 Hausarztstellen vakant. Allein im Vogtlandkreis waren 2016 22,5 Stellen unbesetzt. Viele praktizierende Hausärzte sind bereits im Rentenalter.

Da mit zunehmendem Alter der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt, sieht das Vogtland große Probleme in der Sicherstellung des Versorgungsauftrages. Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, müssen Ideen und Initiativen entwickelt werden, um die Zahl der Ärzte in der Region zu erhöhen oder die Versorgung durch bestehende personelle Ressourcen aufrechtzuerhalten. „Telematikunterstützung für die Impulsregion Vogtland 2020“ zielt auf Letzteres ab und testet eine neue Versorgungsform unter Nutzung technisch unterstützter Datenübermittlung und Videosprechstunden.

Ziele
  • mit nichtärztlichem medizinischen Fachpersonal (MFA) besetzte, bedarfsgenau platzierte Servicezentren als Anlaufstellen für Patienten in Regionen aufbauen, in denen kein Hausarzt verfügbar ist
  • die Ressource Arzt besser nutzen, indem die MFA delegierbare Leistungen erbringen und mehrere Ärzte mit Patienten assistierte telematische Sprechstunden durchführen
  • die Versorgungskette durch technische Unterstützung vom häuslichen Bereich bis zur ärztlichen Versorgung vollständig abbilden
  • lange Wege für Patienten vermeiden, eine ortsnahe Versorgung erhalten
  • ein Modell erproben, das auch landes- und bundesweit eingesetzt werden kann
Konzept

Im Rahmen des Projektes ist geplant, nach einer kleinräumigen Bedarfsanalyse zur Versorgungssituation ambulante Servicezentren zu errichten, personell und mit der notwendigen Telemedizin-Infrastruktur auszustatten und sie mit Hausärzten zu vernetzen. Diese Servicezentren sind mit MFAs besetzt und dienen als Anlauf-, Beratungs- und Behandlungsstelle für Patienten.

Geplant ist, dass MFAs bei Patienten vorab Voruntersuchungen und Dokumentationen durchführen, Termine für den virtuellen Arztbesuch bei einem Arzt aus einem Ärztepool vereinbaren, Patienten dabei assistieren und Hausbesuche vornehmen.

Um eine umfassende Versorgung sicherzustellen, sollen Patienten regelmäßig zu erfassende Daten selbständig zuhause erheben können, die in einer patientenzentrierten Akte dem Servicezentrum und beteiligten Ärzten gemeinsam mit anderen behandlungsrelevanten Daten zur Verfügung gestellt werden. Durch die Arbeit der Servicezentren sollen die knappen Ressourcen der Ärzte effektiver für vorrangig ärztliche Leistungen genutzt werden.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • Das Projekt wurde im Frühjahr 2016 vom Landkreis initiiert.
  • Am 25.08.2017 wurden von Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch, die Förderbescheide erteilt und somit das Projekt offiziell gestartet.
  • Am 30.01.2018 wurden die Szenarien zur Videosprechstunde interessierten Hausärzten aus dem Vogtland präsentiert.
  • Anfang 2019 soll das erste Service-Zentrum in Betrieb gehen.
Besonderheiten
  • Das Vorhaben ist Teil des regionalen Entwicklungsprojekts „Impulsregion Vogtland 2020“, das geeignete Antworten auf die Auswirkungen des demografischen Wandels sucht und Lösungsansätze entwickelt. Dabei werden nicht nur Vorhaben im Bereich der Medizin entwickelt, sondern auch der Optimierung des Verkehrsnetzes oder der wirtschaftlichen Infrastruktur.
  • Das Projekt „Impulsregion Vogtland 2020“ wurde 2013 mit dem ersten Preis des Wettbewerbs „Impulsregionen – Innovative Wege in der regionalen Daseinsvorsorge“ vom Sächsischen Innenministerium ausgezeichnet.
Finanzierung

Das Projekt wird mit insgesamt 1,4 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

Beteiligte
  • Klinikum Obergöltzsch Rodewisch
  • Westsächsische Hochschule Zwickau
  • GeriNet e.V.
  • Simba n³ GmbH
Website
Ansprechpartner
Prof. Dr. Anke Häber
Projektleitung (Fakultät)
Westsächsische Hochschule Zwickau
Telefon: (+49) (0)375 5361528
E-Mail: Anke.Haeber@fh-zwickau.de

Simba n³ GmbH
Telefon: (+49) (0)37421 72240
E-Mail: info@nhochdrei.de

Zusatzinformationen

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