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Gute Praxis in DeutschlandTeilzeitausbildung in der Altenpflege

Göttingen in Niedersachsen

Ausgangslage

Auch in Niedersachsen wird der Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft steigen. Zurückzuführen ist dies vor allem auf eine gestiegene Lebenserwartung und geringere Geburtenzahlen. Das Durchschnittsalter in Niedersachsen wird sich so von 44,4 Jahren im Jahr 2014 auf 47,7 Jahre im Jahr 2030 erhöhen. Mit zunehmendem Alter der Gesellschaft nimmt auch die Pflegebedürftigkeit der Menschen zu. Im Zeitraum von 2013 bis 2016 stieg etwa die Zahl der Schwerstpflegebedürftigen um 7,1 Prozent, die Gruppe der ambulant Betreuten um 8,1 Prozent und die Gruppe der in stationären Pflegeheimen untergebrachten Personen um 6,6 Prozent.

Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit und insbesondere die Praxis in vielen Unternehmen weist weiterhin auf einen Mangel an examinierten Altenpflegern in allen Bundesländern hin. Zusätzlich steigt auch das durchschnittliche Lebensalter der Pflegefachkräfte – bereits 2013 waren rund 38 Prozent 50 Jahre und älter.

Ziele
  • ein Ausbildungsmodell entwickeln, das in Teilzeit nach dreieinhalb Jahren zum Abschluss als Altenpfleger führt
  • eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie während der Ausbildung ermöglichen
  • einen inklusiven Ansatz mit einem speziellen Förderangebot anbieten
  • die Verträglichkeit von Kind und Ausbildung durch flexible Arbeitszeiten gewährleisten
  • eine erhöhte Verlässlichkeit der Auszubildenden für die Ausbildungsbetriebe sicherstellen
Konzept

Der Ausbildungsgang des Projekts „Teilzeitausbildung in der Altenpflege“ richtet sich an Menschen, die eine Ausbildung zum Altenpfleger in Teilzeit absolvieren. Eine Ausbildung in Vollzeit dauert üblicherweise drei Jahre. Der „Göttinger Ansatz“ bietet daher eine vergleichsweise kurze Ausbildungszeit von 3,5 Jahren, da die praktische Ausbildungszeit anders organisiert ist und lediglich 28 Wochenstunden beträgt.

Die Vereinbarkeit von Ausbildung und gesicherten Kinderbetreuungszeiten ist ermöglicht durch das „Kurs-im-Kurs-System“: Der theoretische Unterricht erfolgt gemeinsam mit den Vollzeitauszubildenden. Die praktische Ausbildung findet in stationären Einrichtungen der Altenhilfe und ambulanten Diensten statt, darüber hinaus in Einrichtungen der offenen Altenarbeit, in der Gerontopsychiatrie, in stationären oder teilstationären Institutionen. Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung. Die Teilnehmer erhalten eine Ausbildungsvergütung oder nach individueller Prüfung gegebenenfalls eine Förderung aus öffentlichen Haushalten.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • 2013 wurde das Projekt „Teilzeitausbildung in der Altenpflege“ initiiert und ein Ausbildungskonzept entwickelt.
  • 2014 meldeten sich zehn Teilnehmerinnen für das Ausbildungsangebot.
  • Das Konzept der Berufsfachschule Altenpflege von ARBEIT UND LEBEN wurde von der Landesschulbehörde genehmigt – Einrichtungen wie Behörden signalisieren ihre praktische Unterstützung.
  • Das Bildungsangebot ist von der fachkundigen Stelle CertEuropA für die Förderung der beruflichen Weiterbildung zugelassen und kann somit von öffentlicher Seite gefördert werden.
  • Seit September 2014 wird die Ausbildungsform an der Berufsfachschule angeboten.
Besonderheiten
  • Ein Erfolgsfaktor war, dass bereits bei der Erarbeitung des Konzeptes durch Fachgespräche mit Experten aus den Bereichen der Pflegeeinrichtungen und Pflegeschulen ebenso wie Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zusammengearbeitet wurde.
  • Durch das „Kurs-im-Kurs-System“ ist es möglich das Angebot auch mit kleinen Teilnehmergruppen zu realisieren. Die Erfolgsquote ist hoch, nach drei Ausbildungsjahren gab es keine Teilnehmerabbrüche.
Finanzierung

Die Initiative zur Planung wurde von der Gleichstellungsstelle der Stadt Göttingen und des niedersächsischen Landesprogrammes „älter, bunter, weiblicher: WIR GESTALTEN ZUKUNFT!“ unterstützt. Das Konzept zur Ausbildung wurde als „Göttinger Ansatz“ von der Schulleitung der Berufsfachschule Altenpflege von ARBEIT UND LEBEN entwickelt und umgesetzt.

Beteiligte

Projektträger ist das Frauenbüro der Stadt Göttingen. Projektpartner in der Ausbildung ist die Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen Süd gGmbH.

Website
Ansprechpartner
Richard Wagner
Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Nds. Süd gGmbH
Berufsfachschule Altenpflege
Lange Geismar Straße 72
37073 Göttingen
Telefon: 0551 - 495 07 0
E-Mail: richard.wagner@aul-nds.info

Silke Saathoff
E-Mail: silke.saathoff@aul-nds.info

Zusatzinformationen

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