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Gute Praxis in DeutschlandSenioren-Wohngemeinschaft Marjanns Haus

Merkelbach in Rheinland-Pfalz

Alltagssituation in der Wohngemeinschaft „Marjanns Haus“ (Foto: Senioren-Wohngemeinschaft Marjanns Haus) Alltagssituation in der Wohngemeinschaft „Marjanns Haus“, Quelle: Senioren-Wohngemeinschaft Marjanns Haus

Ausgangslage

Das im Westerwaldkreis gelegene Dorf Merkelbach mit 440 Einwohnern verfügte bisher weder über ein Seniorenheim noch über andere Pflegeeinrichtungen für ältere und alte Menschen. Ein zunehmender Bedarf an Wohnformen für ältere Personen machte die Suche nach neuen Wohnmodellen notwendig, mit denen die Bewohner der kleinen Gemeinde auch bei hohem Pflege- und Betreuungsbedarf in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. Das Landesgesetz über Wohnformen und Teilhabe (LWTG) des Landes Rheinland-Pfalz bietet die Grundlagen für den Ausbau neuer Wohngemeinschaften mit individueller Pflege und Betreuung. Dies geschieht entweder in „selbstorganisierten Wohngemeinschaften“, in denen die Bewohner sich um die Koordination der Dienstleistungen kümmern, oder in „eigenständig betreuten Wohngruppen“. Auch hier haben die Bewohner die Wahlfreiheit bezüglich der Hilfeleistungen, jedoch übernimmt ein Dienst oder der Vermieter deren Organisation.

Ziele
  • Wohnen im Dorf für alte Menschen weiterhin ermöglichen, auch wenn sie nicht mehr alleine leben können
  • mit Unterstützung der Nachbarn und der Dorfgemeinde gewährleisten, dass die Menschen in Merkelbach alt werden können
  • gemeinsam wohnen und dabei Privatsphäre bewahren
  • die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben alter Menschen schaffen
Konzept

Ein ehemaliges Bauernhaus wurde zu einem Wohnhaus für Senioren umgebaut. Hauseigentümer und Vermieter ist eine Privatperson. Im Haus gibt es acht Zimmer mit barriefreiem Bad, die individuell vermietet werden. Garten, Küche, Ess- und Wohnzimmer werden gemeinschaftlich genutzt. Die Hausgemeinschaft organisiert eigenständig ihren Alltag, wobei sich die Bewohner gegenseitig unterstützen und Angehörige oder ehrenamtliche Helfer bestimmte Tätigkeiten übernehmen. Ein gewählter Bewohnersprecher vertritt die Anliegen der Hausgemeinschaft nach außen. Im Pflegefall hat jeder Bewohner das Recht, seinen Pflegedienst auszuwählen. Die Wohnkosten umfassen Miete, Nebenkosten, Rücklagen für Anschaffungen, Lebensmittel, Beträge für Betreuung sowie frei wählbare Dienstleistungen und Hilfen.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • 2011 wurde im Rahmen einer von der Ortsgemeinde initiierten Dorfmoderation festgestellt, dass es an Wohnmöglichkeiten für Ältere fehlt.
  • Unter den Leerständen im Dorf wurde „Marjanns Haus“, ein Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert, als möglicher Standort für eine Seniorenwohngemeinschaft identifiziert.
  • Die Dorfgemeinde begleitete den Eigentümer bei der Antragstellung für die Finanzierungen und in der Bauphase.
  • 2013 wurde mit dem Abriss von Gebäudeteilen sowie der Sanierung und Erneuerung des alten Wohnhauses begonnen.
  • Zwischen März und Juli 2016 zogen acht Bewohner ein.
Besonderheiten

Die Idee einer Senioren-Wohngemeinschaft wurde von den Dorfbewohnern selbst aufgebracht. Ehrenamtliche Helfer leisten Unterstützung für die Hausbewohner. Das Projekt wurde im Rahmen des Landesprogramms WohnPunkt RLP vom Sozialplanungsbüro transfer - Unternehmen für soziale Innovation fachlich begleitet. Zudem ist es Modellprojekt für ambulante Wohngemeinschaften im ländlichen Raum des GKV-Spitzenverbandes (gesetzliche Kranken- und Pflegekassen). Als fachliche Begleitung ist das Büro für Raum- und Umweltplanung RU-PLAN Redlin+Renz für den Aufbau der Wohngemeinschaft von 2015 bis Ende 2017 verantwortlich.

Finanzierung
  • Förderung der Dorfmoderation Merkelbach aus dem Dorferneuerungsprogramm Rheinland-Pfalz
  • Förderung des Hausumbaus aus dem europäischen LEADER-Programm und dem Dorferneuerungsprogramm Rheinland-Pfalz
  • Unterstützung von WohnPunkt RLP als Teil des Programms Gesundheit und Pflege 2020 des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums
  • Förderung durch den GKV-Spitzenverband im Rahmen seines Modellprogramms
Beteiligte
  • Gemeinde Merkelbach gemeinsam mit dem Hauseigentümer und Vermieter
  • WohnPunkt RLP
  • Sozialplanungsbüro transfer
  • GKV Spitzenverband
  • Büro für Raum- und Umweltplanung RU-PAN Redlin+Renz
Website
Ansprechpartner
Senioren-Wohngemeinschaft Merkelbach
Zum Dornbach 11
57629 Merkelbach
Telefon: 02662 3778
E-Mail: info@marjanns-haus.de

Edgar Schneider, Bürgermeister der Gemeinde Merkelbach
Telefon: 02662 6124
E-Mail: schneider.edgar@rz-online.de

Stephanie Mansmann, Referat Gesundheit und Sozialraumentwicklung
Landesberatungsstelle Neues Wohnen RLP
Telefon: 06131 2069-29
E-Mail: smansmann@lzg-rlp.de

Claudia Redlin
RU-PLAN Redlin+Renz, Büro für Raum- und Umweltplanung
Hauptstraße 27
56414 Dreikirchen
Telefon: 06435 5090-12
E-Mail: redlin@ru-plan.de

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