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Gute Praxis in DeutschlandRegiopart – Entwicklung von Nachbarschaft in strukturschwachen ländlichen Regionen Ostdeutschlands

Gemeinden Mirow und Woldegk, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern

Logo des Projekts Regiopart Quelle: Projekt Regiopart

Ausgangslage

Die Kommunen Mirow und Woldegk mit ihren je rund 4.000 Einwohnern liegen in der Mecklenburgischen Seenplatte, einer strukturschwachen Region mit geringer Bevölkerungsdichte. Wie viele Gemeinden im ländlichen Raum stehen sie vor Herausforderungen wie Abwanderungs- und Alterungsprozessen sowie angespannten kommunalen Haushalten. Vor diesem Hintergrund können bürgerschaftliches Engagement und eine gute Vernetzung von Einwohnern mit privaten und öffentlichen Akteuren aus dem sozialen Bereich zu einem attraktiven, lebendigen Gemeindeleben beitragen.

Starke Nachbarschaften organisieren soziale Angebote gemeinschaftlich, bewahren ältere Menschen vor Isolation und können Selbstorganisation fördern. Somit können Bürger gemeinsam mit staatlichen und anderen Akteuren Lösungen entwickeln, um vor Ort den demografischen Wandel aktiv zu gestalten.

Ziele
  • soziale Teilhabe älterer Menschen verbessern
  • nachbarschaftlichen Zusammenhalt in strukturschwachen ländlichen Regionen stärken
  • bürgerschaftliches Engagement fördern
  • engagierte Bürger und relevante Akteure aus dem sozialen Bereich vernetzen
Konzept

„Regiopart“ begreift Nachbarschaften neben staatlichen und familiären Bezugspunkten als wichtige Sozialräume im gesellschaftlichen Zusammenleben. Vor diesem Hintergrund zielte das Vorhaben darauf ab, in den beiden Projektgemeinden partizipative Nachbarschaftsprojekte zu entwickeln und somit die Zivilgesellschaft zu stärken sowie gesellschaftliche Teilhabe generationenübergreifend zu fördern.

In verschiedenen Analysen wurden hierfür zunächst die jeweiligen Bedarfe und Angebote hinsichtlich sozialer Strukturen herausgearbeitet. Darauf aufbauend entwickelten lokale Arbeitsgruppen verschiedene Projektideen und setzten diese um. Die Arbeitsgruppen bestanden aus engagierten Bürgern, Akteuren aus dem Pflege- und sozialen Bereich sowie kommunalen Vertretern. Dabei wurde deutlich, dass es eine Nachfrage nach einem lokalen, semi-offiziellen und professionell unterstützten Lern-, Kommunikations- und Vernetzungsformat gibt. Mit dem Konzept der Dorfmoderation(sfortbildung) soll diese Nachfrage bedient werden.

Seit 2016 können sich interessierte Einwohner zu „Dorfmoderatoren“ fortbilden lassen und auf diese Weise ihre Fähigkeiten im Bereich Kommunikation und Moderation erweitern. Außerdem zeigen die Seminare, wie sich Selbstorganisation im sozialen Nahraum stärken lässt. Eigene Projekte werden begleitend umgesetzt.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • Laufzeit: 2013-2016
  • Durchführung von Angebots- und Bedarfsanalysen in beiden Projektgemeinden
  • Einrichtung von Arbeitsgruppen für die Entwicklung von Projektideen zur Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenhalts
  • Umsetzung von Projektideen wie Erzählcafés, Dorfläden und die Erarbeitung einer Dorfchronik und eines Kalenders in geschichtlichen Lesungen
  • Durchführung kleinerer Aktionen auf Dorfebene, beispielsweise gemeinsame Friedhofspflege und Radtouren
  • Aufbau eines Modells zur Integration älterer, pflegebedürftiger Menschen durch betreute Nachbarschaftshilfe
  • Entwicklung einer Dorfmoderation(sfortbildung) – seit September 2016 Schulung engagierter Bürger zu Dorfmoderatoren
  • Aufbau von Kooperationen zwischen professionellen Akteuren aus dem Gesundheitsbereich und engagierten Bürgern („Bürger-Profi-Mix“)
Besonderheiten

Regiopart ist ein an der Hochschule Neubrandenburg angesiedeltes Forschungs- und Praxisprojekt, das den Aufbau von Kooperationen zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen Akteuren fördert und soziales Engagement stärkt. Das Projekt wurde durch studentische Projekte begleitend evaluiert, weitere Ergebnisse sind in den Publikationen enthalten.

Finanzierung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt Regiopart im Rahmen der Förderlinie Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter gefördert. Die anschließende Dorfmoderationsfortbildung wurde durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte finanziert.

Beteiligte

Hochschule Neubrandenburg in Kooperation mit der AOK Nordost, der Freien Altenarbeit Göttingen e.V., den Kommunen Mirow und Woldegk sowie deren Bürgerinnen und Bürgern

Website
Ansprechpartner
Prof. Dr. Heidrun Herzberg
Projektleiterin der Hochschule Neubrandenburg
Professur: Bildungswissenschaften und Berufspädagogik in Gesundheitsberufen; BTU Cottbus-Senftenberg (seit 1.9.2017)
E-Mail: Heidrun.Herzberg@b-tu.de

Prof. Dr. Vera Sparschuh
Projektleiterin der Hochschule Neubrandenburg
Professur: Soziologie und quantitative Forschungsmethoden
Telefon: 0395 5693 5509
E-Mail: sparschuh@hs-nb.de

Zusatzinformationen

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