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Gute Praxis in DeutschlandNeustadt wird bunter und jünger

Stadt Neustadt in Hessen

Herr Aqeel Bahiya vor dem Gründungszentrum und der Fahrradselbsthilfewerkstatt Herr Aqeel Bahiya vor dem Gründungszentrum und der Fahrradselbsthilfewerkstatt, Quelle: bsj Marburg e.V.

Ausgangslage

Neustadt ist eine Kleinstadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit knapp 8.600 Einwohnern. Im Vergleich zum Land Hessen wie auch zum Landkreis verzeichnet Neustadt einen überdurchschnittlich hohen Bevölkerungsrückgang, der sich nach vorliegenden Prognosen weiter fortsetzen wird. Ende 2016 leben rund 170 Geflüchtete mit Bleibeperspektive in Neustadt sowie etwa 300 Flüchtlinge in der örtlichen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Durch den verstärkten Zuzug Geflüchteter nimmt vor Ort einerseits die Notwendigkeit zu, diese in den Arbeitsmarkt zu integrieren, andererseits bietet sich für ländliche geprägte Gemeinden wie Neustadt auch die Chance, durch die Bindung und Integration von Geflüchteten mit Bleibeperspektive den Bevölkerungsrückgang abzumildern. Dies erfordert insbesondere deswegen aktives Handeln, weil gerade höherqualifizierte Geflüchtete nur schwer im ländlichen Raum zu halten sind.

Ziele
  • Integration von Geflüchteten in der Kommune verbessern
  • Mit- statt Neben- oder gar Gegeneinander von Bürgern und Neu-Bürgern fördern
  • Menschen mit Bleibeperspektive eine Zukunft vor Ort aufzeigen
  • Bevölkerungsrückgang und Leerstand im ländlichen Raum entgegenwirken
Konzept

Das Projekt „Neustadt wird bunter und jünger“ findet im Rahmen des hessischen Modellvorhabens „Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum“ statt. Neben der kurzfristigen Notwendigkeit von Integrationsmaßnahmen begreift das Modellvorhaben die Integration Geflüchteter als Möglichkeit, dem Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum nachhaltig entgegenzutreten. In Neustadt werden mit den Fördermitteln verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Auf diese Weise sollen gegenseitige Akzeptanz geschaffen, Kontakte zwischen Neuankömmlingen und Einwohnern ermöglicht und die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Neben der Gemeinde und einem Sportverein unterstützen Ehrenamtliche die Maßnahmen. Zusätzlich wird der Erwerb eines Führerscheines gefördert. Wer erfolgreich die Prüfung absolviert, kann sich durch ehrenamtliche Arbeit bis zu 300 Euro Zuschuss erarbeiten, weil gerade im ländlichen Raum Mobilität als unerlässlich angesehen wird.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • Unterstützung des bereits Anfang 2016 eröffneten Begegnungstreffs

    • stärkt persönlichen Austausch zwischen Bewohnern und Neuankömmlingen
    • stärkt gegenseitiges Verständnis durch Veranstaltungen wie „Länderabende“
  • Schaffung eines „Gründungszentrums“ in einem leerstehenden Ladenlokal im Juli 2016 mit Räumlichkeiten für Deutschkurse:

    • dient mit Informationen der Arbeitsagentur und des Jobcenters als Informationsbörse
    • dient als Selbsthilfewerkstatt, ausgestattet mit einer Fahrradwerkstatt und Nähmaschinen
    • übergeordnetes Ziel des Gründungszentrums ist, dass Geflüchtete ihre (handwerklichen) Fähigkeiten zeigen und in Kontakt zu lokalen Unternehmern treten können
  • Installation eines Integrationslotsen 2016 (10 Stunden pro Woche)

    • Netzwerkarbeit, Zusammenbringen von Geflüchteten und potentiellen Arbeitgebern
    • Verbesserung des Kontakts mit Arbeitsverwaltung und Behörden
    • Organisation von Öffentlichkeitsarbeit
  • Weiterbildung der Erzieherinnen der Kindertagesstätten im Umgang mit Flüchtlingsfamilien
  • „Mikroprojekte“-Förderung von Ideen zur dauerhaften Integration von Flüchtlingen vor Ort
Besonderheiten

regelmäßiger Erfahrungsaustausch zwischen den sieben am Modellvorhaben beteiligten Kommunen

Finanzierung

Mit dem landesweiten Modellvorhaben „Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum“ fördert die Hessische Staatskanzlei innovative Projekte. „Neustadt wird jünger und bunter“ hat in diesem Rahmen 42.000 Euro erhalten.

Beteiligte

Erarbeitung des Projekts von der Stadt Neustadt in Zusammenarbeit mit dem Verein für Bewegung und sportorientierte Jugendarbeit (bsj); das Tagesgeschäft wie der Betrieb des Gründungszentrums und des Begegnungstreffs wird vom bsj im Auftrag der Gemeinde übernommen.

Website
Ansprechpartner
Thomas Groll
Bürgermeister
Ritterstraße 5-9
35279 Neustadt (Hessen)
Telefon: 06692 89-0
E-Mail: buergermeister@neustadt-hessen.de

Zusatzinformationen

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