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Gute Praxis in DeutschlandMundgesund trotz Handicap und hohem Alter

Modellprojekt in München bis Ende 2014, schrittweise bundesweite Umsetzung seit April 2013

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Zwei gereichte Hände einer alten und einer jüngeren Person (Quelle: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung: Jozef Sedmák / Shotshop)

Ziele

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Auch im hohen Alter gilt es, eigene Zähne und hochwertige, komplexe Versorgungen zu pflegen. Unterbleibt eine geeignete Pflege, entstehen schnell Schmerzen und oft geht in der Folge Kaufunktion verloren.

Hauptziel des Teamwerk-Modellprojekts und des Versorgungskonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ ist eine dezentrale zahnärztliche Prophylaxe für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung zum Erhalt und Verbesserung der Mundgesundheit. Darüber hinaus reduziert der gesunde Mund auch das Risiko für andere Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen.

Weiteres Ziel des Projekts ist eine präventive Versorgung dieser Patientengruppe, die für die Solidargemeinschaft kostengünstiger ist als die bisherige beschwerdeorientierte Versorgung.

Die Umsetzung des Modellprojekts auf der Bundesebene soll allen Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung eine Verbesserung der Mundgesundheit und somit mehr Lebensqualität ermöglichen.

Projektinhalte

Das Teamwerk-Projekt bietet ein „Duales Konzept“ zur zahnärztlichen Versorgung von Pflegebedürftigen in den Einrichtungen vor Ort an.

  • Modul 1 (Prävention): Häuslicher Besuch von mobilem Prophylaxe-Team (Zahnarzt, Prophylaxeassistent) am Bett mit Untersuchung, entsprechender Beratung und Prophylaxeplan. Das pflegerische Umfeld ist in die Versorgung unmittelbar mit einbezogen und wird regelmäßig geschult.
  • Modul 2 (Therapie): Bei therapeutischer Notwendigkeit erfolgt eine Behandlung durch einen Patenzahnarzt soweit möglich ebenfalls mobil am Bett. Bei zahnärztlichen Behandlungen, die ausschließlich im Rahmen einer Narkose erfolgen können, soll der Patient im Sinne eines schlanken Versorgungspfades lediglich einmal in das Krankenhaus müssen.

Das Versorgungskonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ wurde gemeinsam von Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung, Bundeszahnärztekammer sowie zahnärztlichen Fachgesellschaften entwickelt und fußt auf den Erfahrungen, die unter anderem im Teamwerk-Projekt gemacht wurden. Das Konzept benennt die bestehenden Probleme: Der GKV-Leistungskatalog basiert auf der Annahme, dass Patienten den Weg zum Zahnarzt allein bewältigen können, eigenständig Mundhygiene betreiben können und bei der Behandlung kooperationsfähig sind. Viele Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Daher haben die Autoren des Konzepts zahlreiche Erfahrungen aufgenommen und die notwendigen gesetzlichen Änderungen in Form verschiedener Bausteine (Prävention, ggf. Therapie, Behandlung in Narkose) aufgezeigt. Das Konzept dient seit seiner Veröffentlichung im Juni 2010 als Blaupause für die Entwicklung von Gesetzesbausteinen und Leistungspositionen.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • 2002-2005: Teamwerk-Projekt „Zahnmedizin für Menschen mit Behinderungen“
  • 2005-2014: Teamwerk-Projekt „Duales Konzept“ zur aufsuchenden zahnmedizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen
  • 2009: Evaluation des Teamwerk-Projekts durch das Institut der Deutschen Zahnärzte
  • 2009: Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hebt Teamwerk-Projekt positiv hervor und empfiehlt die bundesweite Umsetzung
  • 2009-2010: Runder Tisch der zahnärztlichen Spitzenorganisationen zur Entwicklung eines Versorgungskonzepts für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung
  • 2010: Veröffentlichung des Versorgungskonzepts „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“
  • 2011: Versorgungsstrukturgesetz: Verbesserung der aufsuchenden zahnärztlichen Versorgung im häuslichen Umfeld
  • 2012: Pflege-Neuausrichtungsgesetz: Weitere Verbesserung der aufsuchenden zahnärztlichen Versorgung durch die Möglichkeit des Abschlusses von Kooperationsverträgen zwischen Pflegeeinrichtung und Zahnarzt
  • 2012-2013: Runder Tisch der zahnärztlichen Spitzenorganisationen zur Vorbereitung der Umsetzung des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes zusammen mit den Trägern der Pflegeeinrichtungen
  • 2013: Gemeinsame Tagung der ärztlichen und zahnärztlichen Spitzenorganisationen „Barrieren abbauen“
  • April 2013: Umsetzung der Regelung aus dem Versorgungsstrukturgesetz: Verbesserung der aufsuchenden Versorgung im häuslichen Umfeld
  • April 2014: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und Spitzenverband Bund der Krankenkassen schließen Rahmenvereinbarung über die Ausgestaltung der Kooperationsverträge, die Zahnärzte mit Pflegeeinrichtungen abschließen können. Dadurch können pflegebedürftige Patienten direkt vor Ort systematisch betreut werden.
  • 2015: Zahl der Kooperationsverträge nach einem Jahr: 2.033 (Ende März 2015)
  • 2015: Gemeinsame Tagung der Kassen(zahn)ärztlichen Bundesvereinigungen und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege „Die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen weiterentwickeln“
  • 2015: Versorgungsstärkungsgesetz im Deutschen Bundestag beschlossen und damit Einführung präventiver zahnmedizinischer Leistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung
Besonderheiten

Innovativ ist die systematische aufsuchende Versorgung, die nicht erst erfolgt, wenn der Patient Beschwerden hat, sondern bereits präventiv.

Um die positiven Ergebnisse des Modellprojekts erfolgreich in die Fläche zu übertragen, ist zum einen beharrliche Überzeugungsarbeit bei der Politik notwendig und zum anderen das Suchen von Verbündeten, das heißt anderen Verbänden und Organisationen im Gesundheitswesen, die das Konzept mittragen und unterstützen.

Finanzierung
  • Teamwerk: AOK Bayern und ehrenamtliches Engagement von Zahnärzten
  • Umsetzung in der Fläche: Gesetzliche Krankenversicherung
Beteiligte
  • Teamwerk GmbH & Co KG
  • Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
  • Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität München
  • AOK Bayern
  • Sozialreferat der Stadt München
  • Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
  • Bayerische Landeszahnärztekammer
  • Bundeszahnärztekammer
  • Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin
  • Berufsverband Deutscher Oralchirurgen
Laufzeit
  • 2002-2014 Modellprojekt in München
  • seit April 2013 in der Fläche
Ansprechpartner
Herr Dr. Cornelius Haffner
Teamwerk GmbH & Co KG
Sanatoriumsplatz 2
81545 München
Telefon: 089 / 2102456 121
E-Mail: haffner@teamwerk-deutschland.de

Herr Dr. Wolfgang Eßer
Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), KdöR
Behrenstraße 42
10117 Berlin
Telefon: 030 / 280179 0
E-Mail: post@kzbv.de

Zusatzinformationen

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