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Gute Praxis in DeutschlandFrühe Informationen und Hilfe bei Demenz – FIDEM Niedersachsen

Landkreise Osterode am Harz, Grafschaft Bentheim und Lüneburg in Niedersachsen, sowie einige andere, die gerade mit der Umsetzung begonnen haben

FIDEM Niedersachsen Projektlogo Quelle: Landesvereinigung für Gesundheit & Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.

Ausgangslage

Menschen mit einer Demenz und ihre Angehörigen erfahren oft viel zu spät von Unterstützungs- und Pflegeangeboten in ihrer Nähe oder diese sind ihnen oftmals gar nicht bekannt. Hausärzte spielen in der Versorgung von Menschen mit Demenz eine zentrale Rolle. Viele ältere Menschen sind in hausärztlicher Betreuung und teilen häufig dort erstmals Sorgen über nachlassende Gedächtnisleistungen mit.

Die für eine angemessene Versorgung notwendige sektorenübergreifende Kooperation in der Patientenbetreuung findet jedoch bislang nur punktuell statt. In Deutschland leben gegenwärtig circa 1,5 Millionen Menschen mit Demenz. Der Anteil der Erkrankten wird sich im Zuge einer alternden Gesellschaft weiter erhöhen. Im Landkreis Osterrode am Harz beträgt bereits heute der Anteil der über 65-Jährigen mehr als 27 Prozent.

Ziele
  • die Lebensqualität vom Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und bei der Bewältigung des Alltags helfen
  • hausärztliche Versorgung und nicht-medizinische Unterstützungs- und therapeutische Angebote systematisch miteinander vernetzen
Konzept

Im Rahmen des Projektes FIDEM sollen Patienten mit Demenz und ihre Angehörigen frühzeitiger über mögliche Pflege- und Unterstützungsangebote informiert werden. Arztpraxen und nichtärztliche Dienstleister, beispielsweise für Beratungsangebote, Angebote zur Unterstützung im Alltag oder Selbsthilfegruppen, oder demenzspezifische Ergotherapie werden zu einem Netzwerk zusammengeführt. In Fortbildungsmaßnahmen werden Ärzte und medizinische Fachangestellte über Diagnoseverfahren, Behandlungsmethoden und demenzspezifische Angebote aufgeklärt. Im Patientengespräch informiert der Hausarzt dann über Möglichkeiten der Unterstützung durch die Dienstleister im FIDEM Netzwerk.

Die Vermittlung von Demenzpatienten erfolgt durch ein standardisiertes Vorgehen. Beginnend mit der Erstdiagnostik oder Überweisung zur Sicherstellung der Diagnose an einen Facharzt, erfolgt die Aufklärung über FIDEM und die einzelnen Angebote. Nach Unterzeichnung der Schweigepflichtsentbindung durch die Betroffenen oder deren Angehörige beginnt die Vermittlung in von ihnen ausgewählte Unterstützungsangebote. Auch untereinander können sich die Anbieter nichtärztlicher Leistungen im FIDEM-Kooperationsverbund vermitteln. So kann zum Beispiel die Ergotherapie einen ersten Kontakt zu einem Selbsthilfeangebot herstellen. Der Hausarzt erhält jeweils Rückmeldung über die weitere Entwicklung.

Aktivitäten und Ergebnisse
  • Die Modellphasen wurden von 2009 bis 2012 sowie 2013 bis 2016 durchgeführt.
  • In den Kreisstädten fand eine Auftaktveranstaltung statt, zu der alle Hausarztpraxen und alle nichtärztlichen Akteure eingeladen wurden.
  • Insgesamt haben 16 Ärzte und 18 medizinische Fachangestellte an der achtstündigen, berufsgruppenspezifischen Fortbildung in zwei Blöcken teilgenommen.
  • In den Modell-Landkreisen sind bislang elf Netzwerke entstanden.
  • Rund zweimal im Jahr organisieren die Netzwerke gemeinsame Treffen.
  • Die Koordinatoren treffen sich im Arbeitskreis auf Landesebene.
Besonderheiten

Das FIDEM Konzept hat in seiner evaluierten Modellphase in der Region Braunschweig zur Zusammenarbeit der Hausarztpraxen mit dem nichtärztlichen Bereich geführt. Nichtärztliche Unterstützungsangebote sind in den Praxen jetzt deutlich bekannter. Die Anzahl der aus Praxen vermittelten demenzkranken Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen in Beratung sowie in niedrigschwellige Betreuungsangebote und Ergotherapiepraxen hat sich deutlich erhöht. FIDEM wird von Hausarztpraxen als Entlastung wahrgenommen.

Finanzierung

Das Land Niedersachsen, die gesetzlichen Pflegekassen und die privaten Pflegeversicherungsunternehmen haben von 2009 bis 2012 das erste Modellprojekt in der Region Braunschweig und das zweite Modellprojekt FIDEM Niedersachsen im Zeitraum Oktober 2013 bis September 2016 gefördert.

Beteiligte

Projektträger und Gesamtkoordinator des Modellprojektes ist die Landesvereinigung für Gesundheit & Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. Kooperationspartner sind ambet e.V. für den Bereich der Fortbildungen und die Hochschule Osnabrück für die wissenschaftliche Begleitung.

Website
Ansprechpartner
Birgit Wolff und Tanja Sädtler
Landesvereinigung für Gesundheit & Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.
Fenskeweg 2
30165 Hannover
Telefon: 0511 3881 1899
E-Mail: birgit.wolff@gesundheit-nds.de

Inge Bartholomäus
ambet e.V.
Triftweg 73
38118 Braunschweig
E-Mail: info@ambet.de

Zusatzinformationen

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