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  • 24.09.2015 16:15 Uhr
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Strategiekongress Demografie „Wohlstand für alle Generationen?“ – ein Rückblick

Insgesamt 500 Teilnehmer, darunter Parlamentarische Staatssekretäre und Bundestagabgeordnete, Spitzenvertreter der Sozialverbände, Wissenschaftler sowie Bürgerinnen und Bürger, waren der Einladung von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière ins Berliner Palais am Funkturm gefolgt. Auf dem Podium und im Rahmen von Workshops diskutierten sie am 22. September 2015 gemeinsam über die Herausforderungen und Chancen der Gestaltung des demografischen Wandels und über neue Ergebnisse aus dem Arbeitsgruppenprozess. Ein besonderes Highlight: Jugendliche aus dem Projekt „Jugend-Demografie-Dialog“ im Rahmen der Demografiestrategie hatten die Chance, Fragen an den Bundesinnenminister und die Bundesarbeitsministerin zu stellen.

Was bedeutet Wohlstand im demografischen Wandel?

Eröffnungsvortrag durch Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière Bild vergrößern Viele Fragen und viel Dialogbedarf: Im Zeichen des demografischen Wandels wird sich Deutschland verändern – und das ist auch gut so, betonte der Bundesinnenminister, der das Thema des Kongresses „Wohlstand für alle Generationen?“ in seiner Eröffnungsrede beleuchtete, Quelle: Henning Schacht

In seinem Eröffnungsvortrag definierte Bundesinnenminister de Maizière Wohlstand als ein Gut, das man nicht nur im materiellen Sinne verstehen dürfe. Wohlstand sei mehr als Geld, so der für Demografie zuständige Minister. Wenn man zum Beispiel frage, was die Menschen als wichtig für ihr Wohl ansähen, dann sagen 64 Prozent, wir wollen, dass die Menschen in Frieden in der Welt miteinander leben. Es ginge also auch um immaterielle Dinge, wie das Wohlbefinden. Wohlstand für alle Generationen sei genauso gemeint – eine Mischung aus materiellen und immateriellen Aspekten.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels hätte er hinter das Kongressthema „Wohlstand für alle Generationen“ ein Fragezeichen gesetzt. Es stellten sich hier einige Fragen: Welche Auswirkung hat Zuwanderung auf unsere Bevölkerungsentwicklung? Was kann Zuwanderung leisten und was nicht? Wie wird sich das Verhältnis der Generationen entwickeln? Und: Werden wir auf Wohlstand verzichten müssen und welchen Wohlstand meinen wir da? Diese Fragen gelte es auf dem Kongress miteinander zu diskutieren.

De Maizière: „Asyl- und Zuwanderungspolitik nicht miteinander vermischen“

Einige Antworten gab er in seiner Rede bereits zur Rolle der Zuwanderung im demografischen Wandel. „Wir brauchen Zuwanderung in unserem Land. Und die Menschen, die zu uns kommen und auf Dauer hier bleiben, sollen auch ein Teil unseres Landes werden, dies schließt die Staatsbürgerschaft ein“, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. „Aber wir können und wollen unsere Demografiepolitik nicht auf dem Zuzug von Asylsuchenden aufbauen. Das Asylrecht und das Asylverfahren sind nicht die Lösung für die demografischen Herausforderungen, denen wir uns in Deutschland stellen müssen.“

Der Minister warnte davor, Asylpolitik und Zuwanderungspolitik miteinander zu vermischen. Beim Thema Zuwanderung sollte der Fokus auf qualifizierter Zuwanderung, dem Zuzug ausländischer Fachkräfte liegen.

De Maizière: „Kinder zu kriegen, ist eine Entscheidung in eine offene Zukunft“

Eingedenk der niedrigen Geburtenrate in Deutschland warb de Maizière in seiner Rede dafür, neben der Auseinandersetzung mit wichtigen Themen wie der Schaffung von Betreuungsangeboten für Kinder oder einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch eine gesellschaftliche Debatte über die „Einstellung der Elternschaft in unserem Land“ zu führen und verwies dabei auf die Ergebnisse der Studie „Familienleitbilder in Deutschland“ des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Die Befragung zeigt, dass es jungen Menschen nicht nur um Geld und Betreuungsplätze gehe, sondern um sehr viele immaterielle Dinge. 83 Prozent der befragten Kinderlosen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren gaben an, einmal Kinder haben zu wollen.

Jugendliche fragen – Bundesminister antworten

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière wird durch Jugendliche befragtBild vergrößern Bundesinnenminister stellt sich den Fragen der Jugendlichen, Quelle: Henning Schacht

Das Projekt „Jugend-Demografie-Dialog“ sorgt im Rahmen der Arbeitsgruppe „Jugend gestaltet Zukunft“ mit Jugendkonferenzen und anderen Formaten für die Beteiligung junger Menschen an der Demografiestrategie. Jeweils zwei Jugendliche des Projekts aus dem Landkreis Friesland stellten Fragen an Bundesinnenminister de Maizière und an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die in ihrer Rede auf die Veränderungen in der Arbeitswelt durch den demografischen Wandel einging. Auf die Frage des 17-jährigen Philip Niko Schick, ob er länger und härter arbeiten müsse, um die ältere Generation zu finanzieren, antwortete sie: „Länger und anders! Nicht das ganze Leben immer mit derselben Stundenzahl.“

Die 18-jährige Franziska Lück fragte den Bundesinnenminister, wie sich das Verhältnis von Jugend und Politik von seiner zu ihrer Generation verändert habe, der darauf entgegnete, das politische Engagement der Jugendlichen sei viel besser als sein Ruf. Die Art des Engagements habe sich verändert, Projektarbeit sei beliebter als die dauerhafte Mitarbeit in politischen Jugendorganisationen. Jugendliche müssten selber „an den Stühlen rütteln“ und eigene Politikangebote machen, damit „wir sie einbeziehen müssen“. „Warten Sie nicht, dass die etablierte Politik Ihre Interessen weckt“, ermutigte der Bundesinnenminister die Jugendlichen.

Ergebnisse des Strategiekongresses weiter online diskutieren!

 Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière startet den Online-Dialog auf dem DemografieportalBild vergrößern Bundesinnenminister startet den Online-Dialog am Stand des Demografieportals, Quelle: Henning Schacht

Bundesinnenminister de Maizière hat am Kongresstag auch den Online-Dialog „Demografischer Wandel – Wohlstand für alle Generationen?“ auf dem Demografieportal gestartet. Die Themen und Ergebnisse des Kongresses können hier weiter diskutiert werden.

Im Dialog sollen Antworten auf folgende Fragen gefunden werden:

  • Wie können wir den Zusammenhalt aller Generationen gestalten?
  • Wie können hohe Beschäftigung und solide Finanzen zur Sicherung des Wohlstands beitragen?
  • Wie kann Lebensqualität in Stadt und Land gefördert werden?

Zu diesen Fragen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses in drei Workshops. Parlamentarische Staatssekretäre aus verschiedenen Bundesministerien haben im Dialog ihre Meinung bereits mitgeteilt. Reden auch Sie bis zum 15. November 2015 mit! Der Online-Dialog ist Teil des Dialogprozesses zur Demografiestrategie der Bundesregierung. Die Ergebnisse fließen in den begleitenden Arbeitsgruppenprozess ein.

Mit ihrer Demografiestrategie reagiert die Bundesregierung auf die demografischen Herausforderungen. Um praktische Lösungen zu entwickeln, arbeitet die Bundesregierung eng mit Gestaltungspartnern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft sowie Ländern und Kommunen zusammen. Eine Zwischenbilanz zogen sie mit den neuen Ergebnissen der Arbeitsgruppen zum Strategiekongress in Berlin. Im Frühjahr 2017 sollen beim dritten Demografiegipfel weitere Ergebnisse präsentiert werden.

Wenn Ihnen das Mitreden nicht reicht, bieten wir in Kürze auch etwas zum Anschauen. Auf unserem YouTube-Kanal können Sie den Strategiekongress Demografie noch einmal in weiten Teilen miterleben. Unter dem Hashtag #Strategiekongress finden Sie die Diskussion zum Kongress auf Twitter.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Ihre Beteiligung im Online-Dialog!

Yvonne Eich und das Redaktionsteam des Demografieportals

Programm und Details zu den Workshops

Videos vom Strategiekongress Demografie

2 Kommentare

  • Wir haben viel weniger einen "Konflikt der Generationen" als eine finanzielle Schieflage in Bezug auf Geld zwischen Menschen mit und ohne Kinder: Kinderlosigkeit wird finanziell erheblich honoriert. Und nicht nur das, ohne Kinder hat mehr Zeit für Selbstentfaltung und mehr Ansehen durch berufliche Tätigkeiten. Und man kann - bisher - auf gute Altersversorgung rechnen, die wegen des umlagefinanzierten Rentensystems die Kinder der Eltern später erwirtschaften müssen. Innferfamiliär ganztags arbeitende Eltern müssen ihre Arbeitsleistungen (fast) gratis abliefern, sich dafür verhöhnen lassen, und später lässt man sie wissen, dass sie "ja nicht gearbeitet" hätten. Mit diesem Wording wird Eltern, die ganztags Kinderversorgungs- und Erziehungsarbeit leisten, gegenüber gerechtfertigt, dass sie von den späteren Altersversorgungs- d.h. Rentenbeiträgen ihrer eigenen Kinder nur einen winzig kleinen Teil abbekommen. Mehr Gerechtigkeit und Wohlstand für alle bekommen wir, wenn wir finanzielle Gleichstellung von Eltern und Kinderlosen schaffen, und Elternklagen.de unternimmt hier einen Schritt der konkreten Forderung.
    02.11.2015 08:51 Uhr von Dr. Dorothea Böhm
  • Was alle angeht, können nur alle lösen. Deshalb sind Generationen-Dialoge im Rahmen von Welt-Cafés eine gute Gelegenheit, junge und ältere Menschen mit spannenden (vor allem lokalen und regioanlen) Themen zusammenzubringen. Bei Zukunftswerkstätten in Illingen haben wir erlebt, dass Jugendliche anders angesprochen werden müssen als "die üblichen Verdächtigen" der mittleren Partizipanten-Generation. Internet, Event-Workshops mit kleinen Gruppen und gezielte Projekte in Quartieren sind dabei besonders effektiv. Entscheidend aber ist, Jugendlichen Verantwortung zu geben. Bei der Umwandlung eines Ex-Arbeitsamtes zum selbstverwalteten JUZ hat eine paritätische Kommission aus Gemeinderat/Verwaltung und Jugendlichen diskutiert, geplant und entschieden. Der Gemeinderat hat auf seine Entscheidungsrechte verzichtet und diese auf das "Illingen2030"-Team übertragen. Das Gemeinderat hat schließlich die formalen Entscheidungen getroffen und damit die Planungen bestätigt. Erkenntnis: Jugendliche brauchen schnelle Projekterfolge. Bei der vor-ort-ideenwerkstatt (r) um die Neugestlatung des Zentrums waren alle Generationen zur gleichberechtigten Teilnahme und Teilhabe eingeladen. Aus 1300 Ideen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aller Generationen hat das nonconform-Architektenteam von Roland Gruber in drei Tagen vor Ort ein Grob-Planung in Werkstattatmosphäre erstellt. Das war 2013. Jetzt wird umgesetzt.
    25.09.2015 17:06 Uhr von Armin König
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