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Die Zukunft generationengerechter gestalten

Wie können wir unter demographiepolitischen Gesichtspunkten ein positives Zusammenleben in Städten und Gemeinden gestalten, deren Durchschnittsalter steigt und deren Nachwuchsgeneration abnimmt?

Der demographische Wandel und auch die Veränderungsprozesse der Familienstrukturen erfordern neue Wege im Miteinander der Generationen - wenn die wechselseitige Verantwortung füreinander als zentraler Wert erhalten bleiben soll.

So gewinnen in Zukunft Wohnformen an Bedeutung, die eine Alternative zu Singlehaushalt, Kleinstfamilie oder Alleinerziehend bieten und verschiedene Altersstufen miteinander in Kontakt bringen. Dabei können die Städte unterstützend eingreifen, indem sie Planungsprozesse miteinander vernetzen, Konzepte aus generationenübergreifender Perspektive entwickeln und Eigentümer dabei unterstützen, Wohnraum barrierefrei umzubauen und kinderfreundlich und altersgerecht, also generationengerecht zu gestalten. Richtlinien für städtisches Wohnen können dafür sorgen, dass städtische Mittel nur noch vergeben werden, wenn barrierefrei gebaut wird. Das ist nicht nur wichtig für alte, kranke und behinderte Menschen mit Gehhilfe oder Rollator, sondern auch für Familien mit Kindern und Kinderwagen – und erleichtert auch die Handhabung von Fahrrädern und Pedelecs.

Auch das Ehrenamt ist ein zentraler Faktor: Gesunde ältere Menschen können Kinder und Jugendliche durch gezielte Bildungsprogramme unterstützen, etwa in Sprachkursen für den Nachwuchs mit Migrationshintergrund oder durch Hilfe bei der Berufsfindung in sogenannten Patenschaften. Umgekehrt können Jugendliche die Älteren mit neuen Technologien vertraut machen.

Nicht zuletzt brauchen wir eine demographieorientierte Kommunalpolitik. Die Politik sollte die Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen ihre eigenen Vorstellungen möglichst weitgehend realisieren können. Für die Zukunftsgestaltung brauchen wir aber auch eine flexible Verwaltung und weitsichtige Politiker und Politikerinnen, die sich auch auf unbequeme Diskurse einlassen und nicht nur bis zum nächsten Wahltermin planen. Ebenso wichtig sind engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich mit den Aspekten des Stadtlebens vertraut machen und Zukunftsfragen gemeinsam diskutieren und in die Hand nehmen. Die Mühe lohnt sich: Für eine lebendige und lebenswerte Stadt, in der sich alle Bewohner und Bewohnerinnen heimisch fühlen dürfen.

  • am 06.10.2015 16:24 Uhr von Susanne Tatje

2 Kommentare

  • Die Kollegin Tatje hat Recht, wenn Sie schreibt, dass wir eine demografieorientierte Kommunalpolitik brauchen. Noch wichtiger erscheint mir aber, dass wir alle miteinander kommunizieren müssen. Wir müssen fragen, wir müssen antworten und wir müssen lernen, dass Tatsachen, die nicht mehr zu ändern sind, zu akzeptieren. Sicherlich werden hierbei Dinge deutlich, die schmerzlich sind, doch auch das muss thematisiert und kommuniziert werden. Friedrich Dürrenmatt hat einmal geschrieben: "Was alle angeht, können nur alle lösen." Auch Frau Erdmann hat Recht: "Hierzu braucht es Zeit". Nur, wie viel denn noch?! Fast 20 Jahre werden die demografischen Folgen beschrieben und werden heutzutage immer deutlicher. Wann ist es endlich soweit, dass man Fachleute, die sich tagtäglich mit dem demografischen Wandel beschäftigen, mit in konzeptionelle Überlegungen einbindet?
    11.11.2015 16:15 Uhr von Dieter Dresbach
  • Der Staat entzieht sich seinen Fürsorgeverpflichtungen und setzt auf ehrenamtliches Engagement. Das kann zur Zeit ganz klar und deutlich an der Versorgung der Flüchtlingsströme abgelesen werden. Durch verfehlte Familien-, Arbeitsmarkt- sowie Renten- und Sozialpolitik werden immer mehr Menschen auf zusätzliche Jobs angewiesen sein. Im März 2015 waren 904.000 Personen in einer geringfügigen Beschäftigung über 65 Jahre alt. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linkspartei-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, welche die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Eltern sollen (müssen) erwerbstätig sein um ein einkömmliches Auskommen zu sichern. Gut ausgebildete junge BerufseinsteigerInnen "hangeln" sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag oder von einem Zeitarbeitsjob zum nächsten. Die eingeforderte höchstmögliche Flexibilität im Arbeitsmarkt sieht keine regulären Arbeitszeiten mehr vor, weshalb vereinbarte Stundenarbeitszeitverträge für wenige Stunden die Abwesenheit eines ganzen Tages erfordern. Niedriglohn, Werksverträge und prekäre Arbeitsverhältnisse werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass ein überwiegender Teil älterer Menschen nicht zum Spaß und Zeitvertreib weiter arbeiten wird , sondern aus finanzieller Not. So bleibt immer weniger Zeit für Familie und Pflege von Freunschaften, geschweige denn für ehrenamtliches Engagement. Engagierte Bürgerinnen und Bürger - dazu braucht es Zeit!!!!
    02.11.2015 12:35 Uhr von Theresia Erdmann

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